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View Full Version : Betriebliche Netzwerke: Wissen, wo das Wissen sitzt


reiners
10.07.2008, 07:54
Betriebliche Netzwerke
Wissen, wo das Wissen sitzt
Von Sebastian Balzter
http://www.faz.net/img/leer.gif


http://www.faz.net/m/{48D0B8E3-0A35-4823-B4FE-20724FAA4DAC}File1.jpg (http://www.faz.net/s/RubE481DAB3A8B64F8D9188F8FE0AB87BCF/Doc~E1018795EA9AA4F14815623963072B89D~ATpl~Ecommon ~SMed.html)Welchen Kollege muss ich fragen?09. Juli 2008
Der "Nürnberger Trichter", jenes legendäre Instrument zur mechanischen Verabreichung von Lehrstoff, existiert nur in der Redewendung. Gäbe es das didaktische Wundermittel auch in der realen Welt, wären viele Vorstandsriegen um eine Position kleiner. Denn es würde nicht nur eine der größten Herausforderungen der modernen Arbeitswelt lösen, sondern auch den Chief Learning Officer glatt überflüssig machen.

Der amerikanische Konzern General Electric soll Mitte der neunziger Jahre der Erste gewesen sein, der diesen Posten auf oberster Ebene installiert hat. Inzwischen hat auch die Deutsche Bank einen, genauso wie der Computer- und Software-Hersteller Sun Microsystems, die Unternehmensberater Deloitte und Accenture sowieso. Lern- und Wissensmanagement ist zur Chefsache geworden - und verlangt zugleich den Abschied vom Denken in Hierarchien.

Wissen wird gehortet und gehütet

Denn noch weniger als das Lernen lässt sich von oben herab das Teilen von Wissen verordnen. Und Wissen ist Macht, diese Gleichung gilt im Beruf erst recht. Deshalb neigen wir dazu, es zu horten und zu hüten. Der Flurfunk flachst über Herrschaftswissen, aber nur halb im Scherz. Denn eigentlich ist es kaum tragbar, dass ein Geschäft, ein Produkt, ein Arbeitsablauf im Zweifel von einem einzelnen Mitarbeiter abhängt. Vom Computer-Freak zum Beispiel, der sich als Einziger in die neue Software eingefuchst hat. Oder von der Sekretärin, die bewusst dosiert, in welche Zusammenhänge sie andere einweiht und welche sie für sich behält. Unverzichtbar machen sich beide, ob unfreiwillig oder berechnend. Schön für sie, schlecht fürs Unternehmen - und, auf lange Sicht, auch für die Kollegen.

Die Lern- und Wissensmanager der ersten Stunde setzten auf das Intranet als Gegengift. Per Mausklick, so hofften sie, würden bald allen alle relevanten Informationen - Formulare, Telefonnummern, Richtlinien - zur Verfügung stehen. Doch schnell machte sich Ernüchterung breit: Das interne Netz wird weit weniger und mit viel geringerem Effekt genutzt als erwartet.

Woran das liegt? Andreas Dengel, einer der Direktoren des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kaiserslautern, gibt eine Antwort wie aus dem Lehrbuch: "Ihre Form und die Granularität ihrer Taxonomie passen häufig nicht zum Unternehmen und seinen Mitarbeitern." Vom Fach- ins Kantinendeutsch übertragen, heißt das: Man findet im Intranet alles, nur nicht das, was man sucht - und die Bedienung ist eine Qual. Auch die meisten Newsletter werden entweder ungelesen gelöscht, oder sie verschimmeln auf der Festplatte.

Alle 380.000 Kollegen sehen, dass ich versiert bin

Der Grund dafür ist nach Dengels Einschätzung struktureller Natur: Was immer ein Administrator verwaltet und bestückt und somit den Benutzern gewissermaßen vorsetzt, entspricht nur sehr selten deren wirklichen Bedürfnissen. Deshalb erforscht Dengels Institut andere Wege, die zum "Büro von morgen" führen sollen. Stück für Stück, das ist die Idee, wird sich dessen Wissenssystem aus dem Alltag heraus entwickeln. Die Methode zu dieser Vision hat ein Schlüsselwort. "Tagging" heißt auf Deutsch "markieren" oder "kennzeichnen".

Was es bedeutet, führt Peter Schütt in den "Blue Pages" vor, einer Art Intranet 2.0 von IBM. Zweiundzwanzigmal haben seine Kollegen den Leiter der Abteilung Knowledge Management der deutschen Sparte des Computerherstellers in dem Portal "markiert". So ist sein Name, zu dem in diesem elektronischen Adressbuch und Nachschlagewerk auch ein kurzer Steckbrief samt Foto und eine Kontaktliste à la Facebook gehören, mit 22 verschiedenen Schlagwörtern wie "Social Management" und "Lotus" verknüpft - und jeder einzelne der rund 380 000 IBM-Mitarbeiter auf der Welt kann sehen, auf welchen Fachgebieten die Kollegen Schütt bislang als besonders versiert wahrgenommen haben.

Andersherum erscheint unter anderem Schütts Profil als Suchergebnis, wenn sie einen der 22 einschlägigen Begriffe in das Suchfeld eingeben. Außerdem finden sie dann auch eine Liste der von Schütt selbst für nützlich befundenen Internetseiten und elektronischen Dokumente, die wiederum mit Schlagwörtern versehen sind. "So nutzen wir beim Browsen die Intelligenz der Kollegen aus", erläutert Schütt das Prinzip.

Ein grünes Licht neben dem Namen

Plastischer beschreibt Thomas Meyer den Nutzen. Als Key Account Manager leitet er ein etwa 20-köpfiges Team, zu dem er für einzelne Aufträge immer wieder Spezialisten hinzuzieht - je nach Einsatzort in Schanghai, Moskau, Chicago oder sonstwo auf dem Globus. Für die interne Rekrutierung, berichtet er, seien die "Blue Pages" zu seinem wichtigsten Hilfsmittel geworden. "Dieses Programm macht die IBM kleiner", sagt Meyer. Mit einem Klick lässt sich überdies feststellen, ob die Kollegen am anderen Ende der Welt gerade ansprechbar sind. Wer das entsprechende Häkchen setzt, neben dessen Namen leuchtet ein grünes Licht - und Meyer weiß, dass er aller Voraussicht nach innerhalb weniger Minuten eine Antwort auf seine Nachricht bekommen wird.

Im Idealfall knüpft sich so aus Personen, Begriffen, Dokumenten und Internet-Adressen ein soziotechnisches Netzwerk, ein "Semantic Web". Herrschaftswissen ist darin nur noch eine Vokabel aus dem vergangenen Jahrhundert. Ob das gelingt oder nicht, hängt nach Andreas Dengels Erfahrung vor allem von der Unternehmenskultur ab. "Top-down funktioniert das nicht", sagt er. Aber jeder, der sich aus freien Stücken zur Teilnahme entscheide, müsse rasch erkennen, dass sich diese für ihn konkret lohnt. Alles andere könne man der Mundpropaganda überlassen; auch ein Anreizsystem, wie es Siemens 2002 zur Einführung seines

"Share-Net" eingerichtet hat, um Fragesteller und Antwortgeber etwa mit Bonusmeilen zu belohnen, sei nicht nötig.

Bares Geld gespart

Aber lohnt sich der Aufwand überhaupt? Geht im "Semantic Web" nicht viel zu viel Zeit verloren? Bei Siemens wurden die Mitarbeiter genau danach gefragt. Dengel zitiert die Ergebnisse: Ein Drittel der Befragten schätzte die Zeitersparnis auf bis zu zwei Tage, ein Viertel glaubte, sogar noch mehr gespart zu haben. Nur knapp 10 Prozent sagten, sie hätten keine Zeit gespart. Zweieinhalb Millionen Euro habe das Projekt demnach eingespart - konservativ betrachtet, wie Dengel betont.

Auch IBM lässt Zahlen sprechen. Die "Bluepedia", ein internes Online-Lexikon, verzeichnet nach zwei Jahren mehr als 3000 Einträge von 800 Autoren, 368 000 Bookmarks und 40 000 Blogs. In den "Public Files" können die Mitarbeiter außerdem selbst Dokumente hochladen und allen anderen zur Verfügung stellen. Sie versehen sie dabei mit einem "Tag" und werden umgekehrt auch selbst mit diesem verknüpft. So macht man das eigene Interesse für ein Thema publik - und vielleicht den Key Account Manager Thomas Meyer auf sich aufmerksam.

Das Erfolgsgeheimnis? Niemand, versichert der Wissensmanager Peter Schütt, werde angewiesen, sich am "Tagging" zu beteiligen. Sollte ein Vorgesetzter aber auf die Idee kommen, einem Mitarbeiter das interne Bloggen übelzunehmen, bekomme er Ärger. Außerdem vertraue man auf die Selbstreinigungskraft des Systems. Dessen spielerische Elemente könnten zwar zur ausufernden Nutzung verleiten. Doch der Exzess bleibt Schütt zufolge aus - alle seien an einer effizienten Nutzung interessiert. Vertrauen gilt schließlich auch auf einer anderen Ebene: IBM hat beim letzten Update eine Sicherheitsstufe komplett gestrichen. Schütt beschreibt dies wie mit einem Slogan: "Jetzt darf jeder alles wissen."

Dürfen, nicht müssen - das ist der entscheidende Unterschied zwischen den Prinzipien Netz und Trichter.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: fotolia

a_rnt98
15.07.2008, 21:29
Über das IBM- interne Social Network "Beehive":

http://www.moderne-unternehmenskommunikation.de/wordpress/kommunikationstechnologien/enterprise-20-best-practise-bei-ibm-und-noch-viel-in-der-pipeline/

Enterprise 2.0 best practise bei IBM - und noch viel in der Pipeline (http://www.moderne-unternehmenskommunikation.de/wordpress/kommunikationstechnologien/enterprise-20-best-practise-bei-ibm-und-noch-viel-in-der-pipeline/)

July 2nd, 2008
Autor: Jörg Hoewner (joerg.hoewner@k-zwoelf.com)

"In der letzten Zeit wurden einige sehr interessante Projekte von IBM präsentiert, die die Firma erst intern testet, bevor sie Teile davon in Produkte einfließen lässt.


Mit am meisten “Buzz” hat Beehive erzeugt, ein Social Networking-Tool, das nicht nur mich sehr stark an Facebook erinnert und das inzwischen von 30.000 IBMern genutzt wird (im Januar waren es noch 6500). Ein Screenshot befindet sich auf der Website von Prescient (http://www.prescientdigital.com/articles/intranet-articles/beehive-builds-buzz-at-ibm). Zweck der Plattform ist es, Mitarbeiter-untereinander “Vertrauen herzustellen”, einfach indem man sich vernetzt und kennenlernt. Denn “You cannot create a culture of innovation without creating a culture of collaboration” (Liam Cleaver, der Projektleiter von IBM). Auf Beehive können Nutzer Profile erstellen, Bilder hochladen, posten, kommentieren, Veranstaltungen organisieren oder Inhalte verschlagworten. Es bietet - wie Facebook oder Friendfeed - die Möglichkeit, die Aktivitäten von Kollegen zu verfolgen. Eine gute Idee finde ich die sogenannte “Hive five”-Liste, quasi eine Art “Elevator pitch” für eigene Projekte:“Users can create top-five lists, called “hive fives,” to share their thoughts on any topic they are passionate about. For example, they can add a “hive five” list that outlines their ideas about their project, and then invite their team members to “reuse” the list and voice their opinions. Hive fives cover a lot of territory, from clearly work-related subjects to the kinds of personal exchanges that might only happen among collocated team members at the water cooler. Hive fives are a light-weight way to share ideas and a great way to keep in touch with remote team members.” (Quelle: IBM (http://domino.research.ibm.com/cambridge/research.nsf/99751d8eb5a20c1f852568db004efc90/8b6d4cd68fc12b52852573d1005cc0fc?OpenDocument))Bee hive ist gleichzeitig ein Forschungsprojekt, dass z.B. Fragen klären soll, ob

das System IBMern hilft, Kollegen mit gemeinsamen Interessen und relevanten Fähigkeiten zueinander zu führen
bestimmte Features überhaupt genutzt werden
Incentive-Systeme wie Punkte und Status-Anzeigen das Verhalten der Mitarbeiter beeinflussen (wie im Web2.0-Bereich belegt)
es Unterschiede in der Akzeptanz gibt, abhängig von Kultur, Job-Kategorien, usw.
die Teams, die diese Möglichkeiten nutzen, ein größeres “Soziales Kapital” haben.Und es gibt schon erste Ergebnisse, über die Business Week berichtet (http://www.businessweek.com/magazine/content/08_22/b4086056643442.htm?chan=search):

Das Tool stärkt die sogenannten “weak ties” zwischen Leuten, die sich eher flüchtig kennen, in unterschiedlichen Abteilungen arbeiten mit dem Effekt, dass der Wissensaustausch tatsächlich angekurbelt wird.
Mitarbeiter nutzen das Tool zur Selbsdarstellung - “for self-branding. It’s a way to strut their stuff for colleagues and managers at the company—whether it’s for a promotion or funding for a pet project.”
Mitarbeiter nutzen das Tool vor allem dann, wenn Führungskräfte es ihnen vormachen, d.h. sich selber engagieren (...)"-------------------------------------------------------------------

http://domino.watson.ibm.com/cambridge/research.nsf/99751d8eb5a20c1f852568db004efc90/8b6d4cd68fc12b52852573d1005cc0fc?OpenDocument

Overview of Beehive

"Beehive is an internal social networking site that gives IBMers a "rich connection to the people they work with” on both a personal and a professional level. Beehive helps employees make new connections, track current friends and coworkers, and renew contacts with people they have worked with in the past. When employees join Beehive, they get a profile page. They can use the status message field and the free-form “About Me” section on their profile page to let other people at IBM know where they are, what they are doing, and what they are thinking. Beehive also lets them post photos, create lists to share their thoughts, and organize events.

For example, employees can find out what that team they spent late nights with a couple of years ago working towards a deadline, is up to now by checking out their profiles. They can see the latest pictures their ex-teammates have shared. The Beehive photo page shows the owner, title, and description of the photo, along with tags and comments people have exchanged about it. A photo is worth a thousand words -- it is a visual memory that can connect or reconnect people to their coworkers socially.

Users can create top-five lists, called “hive fives,” to share their thoughts on any topic they are passionate about. For example, they can add a “hive five” list that outlines their ideas about their project, and then invite their team members to “reuse” the list and voice their opinions. Hive fives cover a lot of territory, from clearly work-related subjects to the kinds of personal exchanges that might only happen among collocated team members at the water cooler. Hive fives are a light-weight way to share ideas and a great way to keep in touch with remote team members.

Beehive can also come in handy for upcoming conference calls. If users don’t know the people on the call, they can go to their Beehive profiles beforehand and find out if they have common interests -- either work-related or recreational -- or if they have colleagues in common. Beehive is a quick way to figure out who a person is and what they spend their time doing.

If users are hosting an event, they can create an event page in Beehive and invite people to attend. The page can be a place to spread the buzz about the event and get people talking about it through the comments feature. It's also a handy place to keep track of who is invited and who's RSVPed, and to share photos and reminisce about the event afterward.

Research goals
The Beehive team created the site to help IBM employees meet the challenge of building the relationships vital to working in large, distributed enterprises today. The team is also exploring if Beehive can help IBMers discover people with common interests or the right skills for a project, whether learning more about someone -- either personally or professionally -- facilitates making contact, and to what extent it entices people to learn about ongoing projects and activities beyond their immediate team."